Mein Mann musste zum Infoabend gehen, da ich unter der Woche nicht in München war – und ehrlich gesagt, rechnete ich fest damit, dass er zurückkommen und mir davon abraten würde, weil es ihm zu „alternativ“ oder „esoterisch“ erscheinen könnte. Doch was soll ich sagen: Er kam begeistert zurück, überzeugt davon, dass dies ein wunderbarer und sicherer Ort für unsere Geburt sei. Unsere Freude war groß, als wir in den folgenden Monaten von der Warteliste nachrückten – der Geburt stand nun nichts mehr im Wege.
Da sowohl meine Schwester als auch ich selbst je eine Woche vor dem errechneten Termin zur Welt kamen, redete ich mir immer ein, dass auch ich früher entbinden würde. Sechs Wochen vor ET stellte ich meine Ernährung auf zucker- und weizenfrei nach Dr. Louven um – in der Hoffnung, dass das Baby nicht zu groß wird und wir den Termin nicht allzu sehr überschreiten. Der ET war der 25.05.25….
“Klingt doch alles voll gut! Wir sehen uns später” sagt sie. Wir sehen uns später…. Es geht also los. wow!
Ich wusel also durch die Wohnung und fange an, ein Bananenbrot zu backen. Was wäre denn ein Geburtstag ohne Geburtstagskuchen? Inzwischen muss ich mich während der Wehen an der Arbeitsfläche festhalten und sie kommen häufiger. D. Ruht auf der Couch. “Ich geh nochmal in die Wanne” Einatmen, Ausatmen, Pause. Ich fange an, meinen Atem während der Wehen zu Rhythmisieren. Das tut gut. Die Wehen kommen jetzt regelmäßig alle 3 Minuten.
20.05.2024
Gegen 2 Uhr morgens spazieren wir also durch unser Viertel Richtung Geburtshaus. Vorerst wohl das letzte Mal zu zweit.
Als wir im Geburtshaus ankommen, ist die Stimmung herzlich, warm und gemütlich..
Die Hebamme umarmt uns, die Kerzen flackern, es gibt Wasser und Tee. Wir quatschten ein wenig. Ich entspanne mich. Die Wehen entspannen sich. Wir ruhen uns etwas aus und kuscheln. Auf einmal schiebt sich ein Zopf und zwei entzückende Augen durch die Tür. Eine Hebamme in Einarbeitung begleitet uns nun auch, wie schön! Die Wehen nehmen wieder Fahrt auf. Ich bin bereit – Das Baby kommt bestimmt bald.
Ich töne, das hilft! Die Hebamme untersucht mich. Muttermund bei 2 cm. Krass, kann wohl doch noch eine Weile dauern hier. Die Sonne geht auf und mit der Sonne kommt der Schichtwechsel. Die neue Hebamme kommt zu uns und bringt neuen Schwung mit.
Die nächsten Stunden verschwimmen im Kopf zwischen heißer Sieben, Wehen, Hocker, Spaziergängen im gleißendem Sonnenlicht und fürchterlichem Sodbrennen. Die Hebamme und D. rütteln mich leicht in Seitlage. Herrlich! Als ich zur Toilette gehe, habe ich viel Flüssigkeit verloren, leicht grünlich. “Das war wohl dann der Blasensprung”. Die Hebamme ist wegen der Farbe entspannt, dann bin ich’s auch. Mir ist fürchterlich schlecht. D. und die Hebammen sitzen alle mit mir am Boden. Die Wehen werden stärker. Ich muss mich übergeben. Danach geht’s mir deutlich besser. “Hättest du Lust in die Wanne zu gehen?” “Und ob!” Ich steige in das warme Wasser und kann sofort entspannen. Es läuft leise Musik und ich merke wie du dich auf den Weg machst. Das wird unser Moment. Die Presswehen kommen. Ein wahnsinnig starkes Gefühl! Ich spüre, dass mein Körper einen Gang höher schaltet und übernimmt. Ich versuche mich darauf zu konzentrierten weit und weich zu sein und mich zu entspannen. Zur Stärkung bekomme ich Cola. Stark! Ich hatte Monate lang auf Koffein verzichtet. Das schiebt! Ich bin bereit für dich. Du kannst kommen. Ich Taste das erste Mal deinen kleinen Kopf. Es ist ganz real und du im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah…..
Die Wehen werden wieder unregelmäßig. Oh Mann, es hatte sich doch alles so richtig angefühlt. Wir machen einen Szenenwechsel und probieren verschiedene Positionen aus. Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt die Hebamme mit einer neuen Idee daher. So toll, wie sie uns hier durch begleitet. D. ist der Tapferste. Er stärkt mich seit 25 Stunden. Und das macht ohne Hormone! Mich verlässt kurz alle Kraft. Ich muss weinen. Es ist so anstrengend. Die Hebamme und D. sprechen mir gut zu und finden genau die richtigen Worte. Endspurt!
Die Hebamme untersucht mich und muss mir einen Blasenkatheter legen. Wir lassen erstmal 1Liter Flüssigkeit ab. Wahnsinn! Habe ich gar nicht gemerkt! Dein Köpfchen liegt leider etwas schief. Die Hebamme und D. Lagern mich und versuchen dich wieder in eine bessere Position zu bringen. Irgendwie läuft es gerade nicht rund. Die Wehen werden auch wieder weniger. Wir besprechen eine eventuelle Verlegung. Die Hebamme ruft schon mal für uns in der Klinik an. 1 Stunde später sitzen wir zu viert im Auto und fahren Richtung Klinik. Da kommt nochmal eine starke Wehe. Die Abstände sind mittlerweile bei ca. 15 Minuten.
21.05.2024
Nach 30 Stunden scheint mein Körper total erschöpft. Ich bin traurig und finde alles am Klinik Setting doof. D. tröstet mich und weicht mir keinen Zentimeter von der Seite. Am meisten hasse ich es, mich hinlegen zu müssen. Zack, hatte ich einen Zugang und der Wehentropf lief. Das war dann nochmal eine ganz andere Nummer!
Wir waren letzten Sommer am Atlantik. Eine Welle hat mir die Füße weggerissen und mich mal kurz unter Wasser gezogen. Ungefähr so ist das für mich mit dem Wehentropf. Die nächsten 2 Stunden waren wild, und laut und einfach nur krass! Irgendjemand hatte mir doch Lachgas versprochen?!
Und dann bist du da. Alles ist egal. Du bist da!
Endlich bist du da! Und dann wurde es ruhig und sanft und liebevoll.
Unser Kennenlernen war magisch. Wir kuscheln mit dir und du beobachtest uns mit deinen großen Augen. Nach ein paar Stunden können wir endlich nach Hause und kuscheln einfach weiter.








